Stormberger der Waldprophet

Der Starnberger - Stormberger - Sturmberger

Was die Geschichtsschreibung über den Rabensteiner weiß

Nach Prof. Dr. Reinhard Haller

Auf dem Zwieseler Kirchturm werden Birken wachsen und wenn sie so hoch sind, wie ein Wischbaum, dann kommt der große Krieg!

Wenns'd einmal vom Hennenkobel bis zum Rachel keinen Wald mehr siehst, dann ist die Zeit da...!

Solche und ähnliche Drohungen werden von den Leuten im Vorderen Bayerischen Wald einem Mühlhiasl, im Mittleren Bayerischen Wald aber einem Starnberger, Stormberger oder Sturmberger zugeschrieben. Wo beide zu einer einzigen Gestalt verschmelzen, tritt aus dem Nebel legitim-dichterischer Freiheit der vielzitierte Waldprophet hervor.

Mühlhiasl

Während die historische Existenz des Mühlhiasl archivalisch nicht bestätigt werden kann, lässt sich schon früh ein Starnberger schriftlich nachweisen, konkret: Ein gedruckter und gehefteter Kalender, 1959 in Rabenstein - bei Zwiesel aufgefunden, bezeugt für die nahe Deffernik-Glashütte 1766 dreimal einen Aschenbrenner-Starnberger, wörtlich:
Mit Gott dem Anfang dis Jahr 1766 hat der schmelzer an Flus ausgebrendt, den 18. Jenner Starnberger 444 Pfund: den 25. Jenner Starnberger 380 Pfund: den 1. Februar Starnberger 365 Pfund.

Darunter sind die übrigen Aschenbrenner aus dem Rabensteiner Hochwald - bei Zwiesel aufgeführt, der Pucher Caspar, der Pals Anderel, der Kristopherl und weitere. Sie stammen mehrheitlich aus Böhmen und gehören einer Berufsgruppe an, die, wie alle in den Wäldern Tätigen, vom Aberglauben mit übernatürlichen Fähigkeiten belegt und der Teufelsbündnerschaft verdächtigt wird.

Kaum ist ein Starnberger entdeckt, gibt dieser mit handschriftlichen Einträgen gefüllte "Allmanach- oder Neuer Schreib-Kalender auf das Jahr 1766 nach der Gnadenreichen Geburt unsers Herrn" ein neues Rätsel auf. Denn am 14. Mai 1766 erwähnt er in der Glashüttenbelegschaft auch einen Starnberger Bue.

Davon hatte zuvor noch keiner der Rabensteiner Erzähler berichtet, weder der Buchinger Jogl, noch der Schaffner Gregor und auch nicht der Hofmann Max von Klautzenbach! War der Starnberger etwa verheiratet und was ist dann aus der Kindsmutter geworden? Erst in den Vervielfältigungen der Starnberger-Prophezeiung begegnen wir dem Aschenbrenner wieder: Er verdingt sich jetzt nebenher als Viehhirte derer v. Kiesling auf Rabenstein - bei Zwiesel.

Die Prohezeiungsschriften

Alle verfügbaren Prophezeiungsschriften sind zwischen 1780 und 1900 entstanden. Manche nennen den Propheten auch Andreas. Doch niemals Matthias, wie die Romanschriftsteller und einige Mühlhiaslforscher es tun! Die wichtigsten Fassungen sind:

  1. Die Bodenmaiser Handschrift von Ende 18. Jahrhundert, vordatiert auf 1706. Sie tradiert eine vierseitige Dengwirdige Profezeiung von den alten Starnberger Hütter in Romstein.
  2. Die Tittlinger Handschrift. Sie wird als Prophezeiung von den Andreas Starrenberger, Viehhirt und Aschenbrenner zu Rabenstein, bey Zwiesel bezeichnet und ist um 1840 notiert worden.
  3. Die Rabensteiner Handschrift mit dem Titel: Die wierdige Profezeuhung von den alten Sturmberger Aschenbrenner und Hütter in Rabenstein stammt aus der Zeit um 1880 und ist wiederum auf 1706 datiert.

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